Ärzte bei Facebook: Eine kritische Einschätzung

Viele Ärzte beschäftigen sich mit der Frage, ob sie eine eigene Seite bei Facebook erstellen sollten. Das Thema kursiert in Mediziner-Kreisen schon seit Jahren. 2011 publizierte beispielsweise die “Ärzte-Zeitung” einen Artikel mit dem Titel “Gefällt mir: Arzt bei Facebook kommt gut an.” Der vorgestellte Allgemeinmediziner wusste jedoch um die Stärken und Schwächen des sozialen Netzwerks. Facebook ist nur bedingt Ärzte-tauglich.

Zentrale Frage: Wozu soll Facebook einem Arzt dienen?

Facebook steht bei vielen Ärzten und Patienten zweifelsohne hoch im Kurs. Wer in dem sozialen Netzwerk beispielsweise “Arztpraxis” in das Suchfeld eingibt, erhält Hunderte von einschlägigen Treffern. Zumeist sind es drei- bis vierstellige Nutzerzahlen, denen die jeweilige Unternehmensseite “gefällt”. Besuchen Sie jedoch den Facebook-Auftritt der Arztpraxis, sind die Inhalte häufig ärmlich. Öffnungszeiten werden kommuniziert. Oft werden neue Mitarbeiter vorgestellt. Einige Mediziner posten durchaus humorvolle Clips zu Weihnachten und Neujahr. Vereinzelt geben Ärzte allgemeine Auskünfte über bestimmte Therapien. Oft klingt es nach schlechtgeschriebener Werbung, weil die Praxis X beispielsweise gerade ein bestimmtes Gerät angeschafft hat, mit dem Rückenleiden einfach wie nie behandelt werden können – die persönliche Zuzahlung von 200 Euro sei es absolut wert.

Dieser Befund deckt sich mit einem Phänomen, über das Werbeagenturen häufig berichten. Sie würden immer von Ärzten mit der Bitte kontaktiert, Ihnen eine Facebook-Seite einzurichten, schildern die Marketing-Experten. Auf die Rückfrage, was sie denn mit dem Auftritt im sozialen Netzwerk erreichen wollten, ernteten sie von den Ärzten in der Regel jedoch nur ein Schulterzucken. Sie wüssten es nicht, nur sage jeder, dass sie zu Facebook müssten. Das merken Sie vielen entsprechenden Seiten an: Eigentlich wissen die Betreiber gar nicht, wieso sie den Auftritt haben. Er ist nutzlos, kostet Zeit und vermutlich auch Geld.

Patientenrechte müssen geschützt werden

Tatsächlich ist es so, dass Facebook viele potenzielle Inhalte auf Ärzte-Seiten per se unmöglich macht. Mediziner müssen, dass wissen die Ärzte unter den Lesern fraglos sehr gut, die Daten von Patienten absolut vertraulich behandeln. Notfalls auch gegen die Patienten selbst. Es gab in der Vergangenheit beispielsweise einige Fälle, in denen Patienten über den Facebook-Auftritt nach ihren Befunden gefragt haben. Einem solchen Begehren darf ein Arzt in einem öffentlichen Raum nicht nachkommen. Hinzu kommt, dass Facebook nicht ohne Grund als “Datenkrake” bekannt ist. Wer das soziale Netzwerk nutzt, gibt die Rechte an seinen Daten an der Türschwelle ab. Medizinische Informationen sind dabei besonders kritisch. Der Arzt in dem eingangs erwähnten Artikel schilderte so beispielsweise, dass er seinen Nutzern in der Anfangszeit Nachhilfe in der Frage “Datenschutz bei Facebook” geben musste.

Ein unangenehmer Trend: Patienten beraten Patienten

Ein Problem, mit dem viele Seiten von Arztpraxen bei Facebook zu kämpfen haben, sind durchaus gut gemeinte, aber zum Teil extrem gefährliche Beratungen von Patienten zu Patienten. Aus nachvollziehbaren Gründen posten viele Menschen auf den Seiten von Medizinern gerne Ihre Leiden. Oft fühlen sich andere Patienten bemüssigt, Therapie-Empfehlungen zu unterbreiten. Bei einer laufenden Nase ist das kein Problem, bei einem brennenden Stechen im Bauch kann der Rat “mit einer Wärmflasche ins Bett” unter Umständen fatale Folgen haben.

Arztpraxen müssten eigentlich rund um die Uhr eine Person bereitstellen, die den Facebook-Auftritt moderiert. Da dies schlicht nicht zu leisten ist, schränken viele Ärzte die Posting-Rechte ihrer Follower stark ein oder streichen sie gleich ganz. Die Facebook-Seite verdient damit jedoch einen großen Vorteil: die Möglichkeit, mit den Patienten zu kommunizieren. Ein Weg, den viele Ärzte beschreiten, ist eine Zwischenlösung aus beiden Varianten: Sie müssen neue Posts freigeben und sind deshalb stets mit Tablet oder Smartphone unterwegs. Dies bedeutet aber natürlich eine spürbare zeitliche Zusatzbelastung.

Einfacher gefunden werden: So kann Facebook Ärzten helfen

Tatsächlich unterstützt Facebook Ärzte dabei, einfacher von Patienten gefunden zu werden. Der Auftritt im sozialen Netzwerk ist der Suchmaschinen-Optimierung dienlich. Gerade solche Mediziner, die neu eine Praxis eröffnen und sich einen Patientenstamm aufbauen müssen, können profitieren. Allerdings ist Google längst in der Lage, Inhalte mit Mehrwert zu erkennen. Es ist für Sie als Arzt deshalb ratsam, Facebook als Informationsmedium zu begreifen und interessante allgemeine Hilfestellungen zu publizieren.

Ärzte, die Facebook erfolgreich zu nutzen verstehen, schreiben häufig über saisonale Beschwerden, mit denen vielen Menschen zu kämpfen haben, seien es Allergien, Frühjahresmüdigkeit oder Wetter-Kopfschmerzen im Sommer. Aufgrund dieser Ratgeber-Artikel entscheiden sich viele Patienten zum Besuch der Arztpraxis, weil das Expertenwissen geschätzt wird.

Fazit

Facebook ist insbesondere für etablierte Ärzte keine Pflichtübung, sondern vermutlich nur eine Belastung. Unterstützen kann das soziale Netzwerk solche Mediziner, die sich erst noch einen Namen machen müssen. Die Möglichkeiten, wie der eigene Auftritt genutzt werden kann, darf und sollte, sind jedoch eingeschränkt. Facebook stellt immens hohe inhaltliche und zeitliche Anforderungen an Ärzte, die häufig unterschätzt werden.